Was geht online? Die Netzkulturcharts sind meine völlig subjektive Antwort auf diese Frage. Ich liste darin Phänomeme auf, die ich inspirierend, interessant oder bemerkenswert finde. Sie sind regelmäßiger Bestandteil meines Digitale Notizen-Newsletter
Auf Tiktok reposte ich übrigens Clips, die mir besonders auf- oder gefallen.
Auf Instagram komMEMEtiere ich dann und wann Aktuelles – und erzähle Hintergründe zu Memes.
Platz 1: Doechii „Anxiety“
Ich freue mich genau wie Rezo in diesem Video über den besten Internet-Ohrwurm des Monats März: die Rapperin Doechii hat ihn schon vor Jahren gesungen. Und das ist nicht nur musikalisch eine tolle Geschichte – sie hat auch einen schönen tänzerischen Bezug – wie ich hier ausführlich beschrieben habe: „Mein persönliches Highlight dabei: der offizielle Account von Will Smith spielt den Sound zu einer Szene aus der Serie „Prinz of Bel Air“ aus den 1990er Jahren ab – und zwar so genau, dass es so wirkt als sei damals tatsächlich zu dem Song von Doechii getanzt worden. Es handelt sich also um eine Art Reverse-Tanz-Video, denn der Tanz war in dem Fall vor dem Song da.“
Platz 2: JD Vance Meme
Sogar der New Yorker widmet sich dem Phänomen und verlinkt den reddit-Thread: der US-Vizepräsident ist die Vorlage zu einem äußerst beliebten Meme geworden. Im New Yorker klingt das dann so: „Es war, als hätte sich das gesamte Internet spontan der Überzeugung verschrieben, dass Vance auf die Welt gekommen ist, um Memes zu machen. Wochenlang wurden die sozialen Medien mit Vance-bezogenen Fotobearbeitungen überschwemmt. Verjazzter Vance. Emo-Vance. Minion Vance. Furby Vance. Der pummelige Vance mit einem Propellerhut, der einen Lutscher hält. Vance mit dem Bart und den lockigen Ranken eines Sektenführers. Diese Vances waren so vielfältig und zahlreich, dass sie begannen, miteinander zu interagieren und sich gegenseitig zu befruchten; ihre Identitäten vermischten sich und verschmolzen zu einem psychedelischen, verpixelten Glibber, der in jeden Winkel und jede Spalte des Webs sickerte.“
Platz 3: Goretzkaaaaaa
Jetzt hat es auch die klassische (Boulevard)Presse entdeckt: Leon Goretzka ist der Star eines Netztrends In der tz klingt das so: „In den sozialen Netzwerken verbreiten sich zunehmend Videos, in denen Fans den Namen des 30-Jährigen in ungewöhnlichen Situationen lautstark brüllen. Dies passiert nicht nur im Stadion, sondern auch beim Aufwärmen, auf dem Weg ins Hotel oder in der Öffentlichkeit“. Filme, bei denen der Namen des Nationalspielers langezogen gebrüllt wird, werden seit Wochen auf Tiktok und in Reels geteilt – und haben jetzt auch ihren Weg z.B. zu t-online (Seltsamer Social-Media Trend), Frankfurter Neue Presse (Goretzka-Hype) oder 1&1 (Komischer Social-Media Trend) gefunden
Platz 4: Great Meme Depression
Gibt es keine neuen Memes mehr? Diese Beobachtung hat einen Trend auf Tiktok ausgelöst, der unter dem Titel Great Meme Depression referenziert wird. Weil keine neuen „original“-Memes mehr entstehen, müssen alte quasi recycelt werden. Was ein bisschen lustig ist, weil der Rückbezug ja schon immer Teil der Netzkultur war. In ihrem empfehlenswerten Newsletter urteilt Taylor Lorenz: „The meme drought of March 2025 can be seen as a manifestation of this exhaustion, where the internet’s insatiable appetite for novelty led to a temporary creative standstill.“
Platz 5: „This and…“-Meme
Ich habs schon drüben auf Instagram beschrieben: Point of view-BIlder, die mit der Beschreibung „This and…“ in Kontexte gesetzt werden, erfreuen sich gerade großer Beliebtheit. Sogar die Zeit und die Deutsche Bahn haben sie auf Instagram schon gespielt. Bei @kommemetare habe ich notiert, was dieser Meme-Trend mit einer amerikanischen Fastfood-Kette zu tun hat.
🎵 Ungebetene Ohrwürmer* des Monats 🎵
1️⃣ Doechii: Anxiety
2️⃣ Lola Young: Messy
3️⃣ Helene Fischer & Florian Silbereisen: Die Tasse Kaffee
4️⃣ Kendrick Lamar: Peeckaboo
5️⃣ Noah Kraus & Wir sind Helden: „Nur ein Wort“
* in dem Buch „Meme – Muster digitaler Kommunikation“ nutze ich Ohrwürmer als Metapher um die Wirkung von Memes zu beschreiben. Deshalb ist es nur konsequent, sie nicht nur metaphorisch, sondern eins-zu-eins zu nehmen.
Besondere Erwähnung
Dass Kommentare im Hochformat beim Schminken eingesprochen werden, ist bekannt. Seit ein paar Tagen zeigt der Account Dadbriefs, dass poltische Kommentare auch in Kochvideos einen Platz haben können. Dadbriefs ist der Account von Slade Wentworth, der bisher Dadjokes-Bücher gemacht hat – und aufgrund der Situation in den US jetzt politische Kommentare macht.
Eine sehr coole Aktion: das funk-Format „Datteltäter“ hat Meme-Charaktere recherchiert und in ein tolles Ratespiel gepackt:
Ebenfalls sehr schön: das „Men-Responding“-Meme
Auch das Insta-reloaded von Robert Lindemann hat mir gut gefallen.
„Everything is computer“, der Satz, den Donald Trump bei seinem Autoverkäufer-Auftritt vor dem Weißen Haus sagte, ist zu einem Instant-Meme geworden. In diesem empfehlenswerten Newsletter gibts ein wenig Hintergrund.

Die Studie „One Does Not Simply Meme Alone“ untersucht das Zusammenspiel von menschlicher und künstlicher Intelligenz – in Bezug auf Memes.
Kopien und Referenzen zu erkennen, ist Teil gegenwärtiger Medienkompetenz. Wer aktuelle Popkultur verfolgen will, sollte das üben – sonst versteht man auch diese Aldi-Werbung nicht, die eine Drake-Kopie ist.
Dem Account ClowdyRowdy gelingt es wie keinem anderen, die Konversation mit offiziellen Accounts und Computern auf den Punkt zu bringen.
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